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Die Staufer in Rheinland-Pfalz

Eine Geschichte von Macht, Herrschaft und höfischer Pracht

Im Stauferjahr 2010 begeben sich die Länder Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, und Hessen auf Spurensuche nach dem Wirken der Staufer.  Eine Reihe von Vorträgen, Veranstaltungen und Ausstellungen führen zurück in eine Zeit, in der die Rhein-Main-Neckarregion nicht nur Stauferland, sondern Kernland des römisch-deutschen Königreiches war – und damit eines der wichtigsten Herrschaftszentren Europas.

Rheinland-Pfalz Stauferland? Auf den ersten Blick scheint das Attribut „Stauferland“ für Rheinland-Pfalz nicht angemessen zu sein. Schließlich stammt die mächtige Stauferfamilie, die im 12. und 13. Jahrhundert halb Europa beherrschte, aus Schwaben und ihre Machtentfaltung richtete sich vor allem auf Italien. Aber wer genau hinsieht, findet in Rheinland-Pfalz eine Fülle von steinernen Zeitzeugen, in denen noch heute der Glanz der Hoffeste und der Einfluss dieses bedeutenden Herrschergeschlechts zu spüren ist.

Gerade zwischen Speyer und Köln war die Macht des Reiches gebündelt, hier herrschten die Erzbischöfe von Mainz, Köln und Trier und die Pfalzgrafen bei Rhein, also die „Königsmacher“, ohne deren Zutun kein Adliger, also auch kein Staufer, zum König oder Kaiser gekrönt werden konnte.

Die geistlichen Fürsten waren es auch, die bei der Königskrönung die Zeichen und Symbole königlicher Herrschaft, die Reichsinsignien, überreichten. Nur wer nach der Wahl auch faktisch im Besitz der Reichskrone, des Reichszepters, des Reichsschwertes und des Reichsapfels war, wurde auch als rechtmäßiger König anerkannt. Daher ist auch verständlich, warum die Staufer die Reichsinsignien auf eine ihrer stärksten Burg, den Trifels, bringen ließen.

Ihre Herrschaft stützten die Staufer (1138-1254) neben ihrem Hausgut vor allem auf das Reichsgut. Ergiebige Einnahmen flossen aus den Zöllen am Rhein. Die Reichburgen und die Burgen ihrer Vasallen und Dienstmannen sicherten zusätzlich Einkommen und Einfluss. Nicht nur in der Pfalz entstanden zahlreiche solcher Demonstrationsbauten der königlichen Macht, dem schwäbischen Herzog Friedrich II. (1105-1147) aus dem Hause der Staufer wurde sogar nachgesagt, er schleppe am Schwanze seines Pferdes immer eine Burg mit sich.

Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass unter den Stauferkönigen die Zahl der Burgen stark anstieg. Noch heute ist die hohe Burgendichte dieser Zeit zu beobachten: etwa rund um Kaiserslautern oder Annweiler, aber auch am Rhein.

Darüber hinaus konnten die Staufer auf eine ganze Reihe von Kaiserpfalzen zurückgreifen, wenn sie auf Reisen waren. Königsherrschaft wurde im Mittelalter sozusagen vom Sattel aus ausgeübt. Die Reste der Kaiserpfalz in Ingelheim geben beredtes Zeugnis von der Pracht ihrer Herrschaft, aber auch Orte wie Worms, Kaiserslautern, Koblenz, Boppard oder Sinzig waren solche Stützpunkte.

Innerhalb des staufischen Herrschaftsbereiches lassen sich regionale Schwerpunkte erkennen, die sich in den Reisewegen der einzelnen Herrscher und ihres Gefolges abzeichnen: Es sind die Bischofsstädte, Pfalzen und Kastelle, die die wichtigen materiellen und personellen Stützen der hochmittelalterlichen Politik darstellen. So reiste der staufische Hof neben Sizilien und Oberitalien bevorzugt an den Rhein, wo laut Otto von Freising die größte Kraft des Reiches lag.

Ein wichtiges Instrument der staufischen Herrschaft waren die Hoftage und Hoffeste. Unvergessen ist das wohl prachtvollste Hoffest des Hochmittelalters, das Hoffest in Mainz, Pfingsten 1184, bei dem die Söhne Friedrich Barbarossas ihre Schwertleite erhielten. Unvergessen auch der Hoftag in Speyer 1193, an dem der gefangene englische König Richard Löwenherz um seine Freilassung kämpfte. Er wurde schließlich zur Zahlung einer astronomischen Summe Lösegeldes verurteilt. Das wiederum ermöglichte dem staufischen König und Kaiser Heinrich VI. die Eroberung des Königreiches Siziliens..

Für die Geschichte der Rheinlande war aber wohl bedeutender, dass der Stauferkaiser Friedrich II. bereits 1220 den geistlichen Fürsten das Zoll-, Münz- und weitere Hoheitsrechte zugestanden hatte. Die Position der Erzbistümer von Köln, Trier und Mainz – auch als zukünftige Königsmacher – wurde dadurch ohne Zweifel weiter gestärkt.

Das Gebiet, das in den Grenzen des heutigen Bundeslandes Rheinland-Pfalz liegt, kann auf eine mehr als 2000-jährige Geschichte intensiver Besiedlung zurückblicken. Als Teil des römischen Reiches, mit den beiden wichtigen Städten Mainz und Trier, wurden hier bereits in der Antike wichtige Strukturen angelegt, die zur Basis für eine nahezu ungebrochene kulturelle Tradition von der Römerzeit bis ins Mittelalter wurden. Aber wer weiß heute noch, dass die linksrheinischen Gebiete in den Jahren zwischen etwa 500 und 1500 nicht nur zu den Kernregionen des „fränkischen“ und des „deutschen“ Mittelalters gehörten, sondern dass dieses Transferland gleichsam die Öffnung für die bedeutendsten kulturellen Einflüsse aus dem Westen des Kontinents darstellte. Aus diesem Grunde und aufgrund eigener kultureller Errungenschaften wurde dieses Gebiet zu den prägenden Landschaften des christlichen Europas.

Die Ausstellung „Die Staufer und Italien. Drei Innovationsregionen im mittelalterlichen Europa“ , Eröffnung am 19. September 2010 in den Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim, befasst sich unter anderem auch mit dem Wirken der Staufer in Rheinland Pfalz.

Die bewegte Geschichte der Burg Trifels ist Gegenstand der Ausstellung „Reichsburg Trifels. Macht und Mythos“. Sie wird ab dem 22. Mai 2010 für die Besucher geöffnet. Herzstück der Ausstellung ist die Neupräsentation der Schatzkammer mit den Nachbildungen der Reichkleinodien. Allein sie lohnen schon einen Ausflug auf Burg Trifels.

(Dr. Angela Kaiser-Lahme)

Schauspielführung

Die Befreiung des Richard Löwenherz – eine spannende Schauspielführung auf Burg Trifels

Ausstellung