Die Hardenburg ist eine der größten Burgruinen des Landes Rheinland-Pfalz. Mit Außenabmessungen von 90 x 180 Metern beeindruckt sie Besucher mit ihrer gewaltigen Erscheinung. Der mächtigen Befestigungsanlage sieht man sofort an, dass sie häufig umkämpft und Gegenstand vieler kriegerischer Fehden gewesen sein muss.
Die Burgherren: Machthungrige Gesellen
Machthungrige und streitlustige Gesellen müssen sie wohl gewesen sein, die Burgherren der Hardenburg. Schon die Burggründung (zwischen 1206 und 1214) war ein räuberischer Akt. Als Schutzvögte der benachbarten Abtei Limburg bauten sie ohne Erlaubnis des Abtes die Burg auf dessen Grund und Boden. Die Schutzvogtei über Kirchenbesitz auszuüben, war im Mittelalter eine einträgliche Angelegenheit und offensichtlich verstanden sich die Grafen von Leiningen besonders gut darauf, in die eigenen Scheunen der Hardenburg zu wirtschaften.
Die Grafen von Leiningen erwarben eine bedeutende Grafschaft, die sie durch Erbschaften in Lothringen noch vergrößern konnten. Aus den Einnahmen des weitgestreuten Besitzes wurde die Hardenburg zu einer schlossartigen Residenz und starken Festung ausgebaut. Dies brauchten die Leininger auch, denn sie waren extrem streitlustig. Zwischen 1400 und 1525 waren sie an 20 Fehden und Kriegen beteiligt, kleinere militärische Zwischenfälle nicht einmal mitgezählt. Ihre Gegner waren z. T. Großmächte des Deutschen Reichs, wie Kurfürst Friedrich I. (der Siegreiche) von der Pfalz. Die Sicherung der Geleitrechte auf einer der bedeutendsten Handelsstraßen Mitteleuropas (von Lothringen zum Rhein) garantierte ihnen dauernde Einkünfte. Die Erbschaft von aussterbenden Seitenlinien machte die Grafen von Leiningen-Hardenburg immer reicher und mächtiger. 1779 wurden sie sogar Reichsfürsten. Aber dieser Glanz sollte nur wenige Jahre bis zur Französischen Revolution dauern.
Die mittelalterliche Burg, von der nur wenige Quadermauern erhalten sind, war in ihren Abmessungen wesentlich bescheidener als die heutige Renaissance-Anlage, die Anfang des 16. Jahrhunderts in kurzer Zeit entstand. Die imposante Festung und luxuriöse Residenz war das linksrheinische Gegenstück zum Heidelberger Schloss. Hans Jacob von Ettlingen und Caspar Weitz – berühmte Festungsbaumeister des 16. Jahrhunderts - bauten die monumentalen Verteidigungsanlagen, aber auch die festlichen Wohnbauten, die schon im 17. Jahrhundert die Bewunderung von Künstlern fanden. Wichtigstes Glied des neuen Befestigungssystems, das zu den bedeutendsten der damaligen Zeit gehörte, war ein gewaltiger runder Geschützturm, das sog. Westbollwerk. Es hat eine Mauerstärke von 7 Metern. 1692, im Pfälzischen Erbfolgekrieg, wurde es von den französischen Truppen gesprengt. Der gewaltige erhaltene Stumpf ragt heute noch mehr als 27 Meter über den Burghof auf. Die Wohngebäude wurden aber weiter genutzt.
Von den prächtigen Gebäuden sind heute nur noch Reste - Treppentürme, Fenster und elegante Portale sowie die mächtigen Keller - erhalten. Ihre weitgespannten Rippengewölbe haben den Zerstörungen widerstanden. Dass man auf der gräflichen Residenz zu leben verstand, wurde beim Auffinden eines Abfallschachtes neben den Eingangstoren unter dem Saalbau deutlich. Hier fand man Reste von chinesischem Porzellan - eine ungeheure Kostbarkeit im 16. Jahrhundert. Die Schalen von Austern, die in tagelangen Schnelltransporten von der Atlantikküste herangeschafft wurden, beweisen, dass die Grafen von Leiningen Gourmets waren. Am 29. März 1794 wurde die Hardenburg endgültig von der französischen Revolutionsarmee zerstört. Vor kurzem wurde der Renaissancegarten, von dem eine Zeichnung erhalten blieb, in seiner Grundform rekonstruiert. Ein Rundgang durch die Schloss- und Festungsruine nachvollziehbare Zusammenhänge zwischen topographischer Lage, Geschichte und Baubefunden her. An der Entwicklung der Burg, der Festung und des Schlosses über acht Jahrhunderte reift das Bild für das Leben einer Adelsfamilie mit vielen Bezügen zur Regionalgeschichte der Pfalz.

